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Diese Suppe esse ich nicht!

Dienstag, März 8th, 2011

Text eines Jugendlichen aus WL.

Wenn ich mit meiner Mutter spreche und sie frage, ob sich die Stadtverwaltung in Winsen/Luhe früher um Jugendliche gekümmert hat, dann erzählt sie mir, dass es damals das Jugenzentrum gab und dass sie und ihre FreundInnen es sehr gemocht hatten. Im selben Atemzug erzählt sie mir allerdings, dass die Jugendlichen andersweitig keine Möglichkeit hatten, sich zu treffen – außer in größere Städte zu fahren oder Hausparties zu organisieren. Die Bars und Kneipen in Winsen waren nie der richtige Ort gewesen für Jugendliche. Das lag vorallem daran, dass die Kundschaft nicht ihrem Alter entsprach und ein Kneipenbesuch eben nur ein Kneipenbesuch bleibt – egal wie man die Sache dreht und wendet.

Winsen ist halt eine Stadt für Alte und Kinder – schon immer gewesen!„, sagt sie.

Durch das Hausprojekt habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Der Zustand scheint sich seit der Jugend meiner Mutter nicht verändert zu haben. Hier gibt es Spielplätze noch und nöcher, Altenheime schießen wie Pilze aus den Boden und die Kneipen, in denen größtenteils Menschen im Alter meiner Mutter sitzen, gibt es schon seit zig Jahren. Und ja, auch der Umgang mit der Jugend hat sich nicht verändert: Es gibt ein Jugendzentrum, was auch ich mag und schätze. Diese Gegend ist alt und kindlich zugleich, nur jugendlich ist sie nicht! Es scheint so als würde(n) die Stadt(-verwaltungen) über Generationen hinweg im immergleichen Wasser eine Suppe rühren, deren Zutaten wir Jugendlichen sind.

Die BesetzerInnen der Bahnhofstrasse 78 fordern das ein, was auch ich vermisse, aber mich damit stets arrangieren muss. Nun bin nämlich ich es, der ab und zu im städtischen Jugendzentrum tanzt oder nach Hamburg und Lüneburg fährt. Wenn garnichts geht, dann bin ich es, der Hausparties (mit-)organisiert oder in Bars rumhockt, die eigentlich garnicht der Platz sind, wo ich gerne wäre. Das finde ich persönlich dann doch eher mäßig angenehm!

Ich finde, dass ich, der ich jetzt jugendlich bin, nicht genauso alles hinnehmen sollte wie es meine Mutter früher tat. Das Wasser der Suppe ist schon viel zu Trübe und diese scheiß Brühe schmeckt mir nicht mehr!

Für das freie Jugendzentrum in der Bahnhofstrasse 78!


„Häuserkampf in der Provinz“ Bericht in der TAZ.

Freitag, März 4th, 2011

„Squat your City“, „Besetze deine Stadt“, steht auf einem Transparent in der Winsener Bahnhofsstraße. Das seit Jahren leer stehende Haus wäre ideal für ein Jugendzentrum, finden die Aktivisten.
VON LENA KAISER

WINSEN/LUHE taz | „Mein Sohn ist auch bei der Besetzung dabei“, sagt eine Passantin. Und das sei auch gut so: Das Eckhaus in der Winsener Bahnhofsstraße stehe schon seit Jahren leer. „Früher war hier Riedels Eck“, erinnert sie sich, ein Gemischtwarenladen. (mehr lesen)